Pressestimmen zu Tip of the Tongue
Das fast vergessene Genie
Die ganze Klangatmosphäre der aufregenden sechziger Jahre schimmert durch jedes Arrangement. Und dennoch wird alles in einen klangvoll eigenen musikalischen Kontext gestellt und bestätigt damit die beste Tradition des Jazz, nämlich jene, in der große Musiker der Vergangenheit große Musiker der Gegenwart inspirieren.
Gelungene Hommage an Peter Trunk
Außerordentlich bemerkenswert ist “The Magical No. 7”. Manfred Bründl greift hier zur Abwechslung zum Bogen. Den führt er mit einem hohen Maß an Virtuosität, wodurch es ihm gelingt, seiner Komposition ein fast kammermusikalisch anmutendes Flair zu verpassen. Sein Vorbild hätte gewiss respektvoll den Hut gezogen.
Hochachtungsvoll, P.T.
Es folgen sensible, multiperspektivische Studien, die nichts Falsches tun: Sie rücken den Bassisten nicht in ein Scheinwerferlicht, in dem er auch sonst nicht steht, sondern reflektieren und würdigen seine Arbeit dort, wo er immer steht und wo er seinen Platz hat: an jenem unauffällig zentralen Ort, wo im Jazz die Fäden der Frontleute und der Rhythmus-Fraktion zusammenlaufen.
Sich an die Zukunft erinnern
Bründls Kompositionen sind kein Jazz mehr im alten Sinn, es sind hoch verdichtete, raffinierte Kompositionen mit obligaten Improvisationsphasen für klassisch besetztes Jazzquartett. Sie betreiben praktisches Erinnern an eine Entwicklung, deren Teil Bründl selbst geworden ist. Sie spannen die Musiker ein in einen Prozess der hellwachen Bewusstheit dessen, was sie tun. So entsteht ein aktuelles, umfassend satisfaktionsfähiges Bild vom Jazz.
Konzertbericht: Altes Pfandhaus, Köln, 18.11.2011
Die Musik balancierte immer auf jenem schmalen Grad zwischen Genie und Wahnsinn, stürzte dabei aber selbst in den verrücktesten Momenten nie ab. Der Begriff “Wahnsinn” ist in diesem Zusammenhang ganz eindeutig positiv zu werten!
Wie stille Bässe dennoch wirken
Ein gedankenvolles Spiel mit Themen und Antworten, mit Aktionen und Reaktionen. Und wer von den Hörern gut hören kann, wird das musikalische „Gespräch“ der Vier genießen, und sich emotional daran beteiligen können.
Eine CD »wider das Vergessen«
Erstaunlich ist, welche Wichtigkeit Trunk als Instrumentalist und Persönlichkeit zugeschrieben wird und wie wenig er tatsächlich präsent ist in die Jazz-“Geschichtsschreibung”. Andererseits lassen sich eine Menge Zitate relevanter Zeitgenossen wie Attila Zoller, Joachim Ernst Berendt und Michael Naura über ihn finden – eigentlich ein phänomenaler Widerspruch?
Bassiger Geschmack auf der Zungenspitze
Manfred Bründl nähert sich Trunk als Nachgeborener, als einer, der sich der Traditionen des hiesigen Jazz bewusst ist, ohne sie einfach zu kopieren. Er schreibt in elf Eigenkompositionen wie in einem Palimpsest die Geschichte weiter. Dazu hat er Archive durchforstet, Kontakt mit Hinterbliebenen aufgenommen, das Gefundene gedreht und gewendet und in sich reifen lassen. Die Hinterlassenschaft Trunks war für ihn wie ein Geschmack auf der Zungenspitze, eine irgendwie präsente Erinnerung, um deren Vergewisserung und Neubestimmung es ihm ging.
Was Bründl mit seinem idealen Quartett vorlegt, ist ein ausgewogenes, nuancenreiches, von Vitalität durchzogenes Statement von heute, ein Update des Trunkschen Erbes, wenn man so will … eine Hommage, die weit mehr ist als ein Ankerwerfen im Gestern.
Seelen Verwandt
Eigentlich ist Manfred Bründl ein Seelenverwandter Peter Trunks. Auch er ist musikalisch nie stehen geblieben, hat stets seine Fühler ausgestreckt, hat sich weitergebildet und sich in immer neue Konstellationen gestürzt.
Tip of the Tongue
Und so ist das gesamte Album als ein Werk gegen die Schnelllebigkeit einer angeblich modernen Medienwelt, die ihren Entstehungsprozess zu vergessen sucht, zu verstehen.
Tip of the Tongue
Die Rolle des Bassisten besteht dabei nicht in erster Linie in solistischer Profilierung, sondern zeichnet sich aus durch integrative Kraft, Substanz und Energie. Rainer Böhm, Jonas Burgwinkel und Hugo Read begleiten Bründl auf seiner Spurensuche, die – ganz im Sinne des immer wachen Geistes des Geehrten – das Erbe nicht allein hebt und zu verwalten sucht, sonder sehr bewusst ins heute überträgt.
Es liegt mir auf der Zunge
Wie viel gerade deutsche Bassisten der legendären Gestalt Peter Trunk zu verdanken haben, ist vielleicht etwas in Vergessenheit geraten. Grund genug mit dem neuen Album „Tip Of The Tongue“ Tribut zu zollen. Lediglich sein Musik zu spielen, war aber nicht Bründls Anliegen. „Das Album […] geht von Bildern und Anekdoten aus.“ Rätselfreunde können sich nun auf die Suche nach direkten Zitaten begeben, aber „Tip Of The Tongue“ ist auch ohne dieses Wissen ein wunderschönes Album.
Der Trunk-Suche verfallen
„Irgendwie bin ich bei ihm als schillerndste Persönlichkeit von allen, ob als Musiker oder Mensch, hängen geblieben“, erzählt Bründl von der 1936 in Frankfurt geborene, aber schon 1973 in New York verstorbene Peter Trunk. „Fast als einziger hat er auch solistisch brilliert und war eine wirkliche Ausnahmeerscheinung.“
Hommage an einen großen Bassisten
Der Weimarer Jazz-Professor und Bassist Manfred Bründl setzt mit seiner neuen CD „Tip of the Tongue“ ein Erinnerungszeichen für Peter Trunk. In eigenen Kompositionen greift er dessen Themen und Improvisationen auf, zitiert sie und entwickelt sie fantasievoll weiter. Gemeinsam mit seinem Ensemble „Silent Bass“ bringt er die Farben zum Strahlen: in dem aufregenden, treibenden Rhythmus des Titelstücks „Tip of the Tongue“, in Hugo Reads mal flirrenden, mal elegischen Saxofon-Soli, in den mit feinem Pinsel getuschten Klavierpassagen und im perkussiven Spiel des Schlagzeugers Jonas Burgwinkel.
Bründl und die magische Sieben
In seinen Kompositionen verarbeitet Manfred Bründl Fragmente von Originalthemen und Improvisationen Trunks, lässt sich aber auch von fotografischen Eindrücken und Zeitdokumenten inspirieren. Dies geschieht auf so mannigfaltige Art und Weise, dass die Musiker die magische Sieben … noch schneller hinter sich lassen, als man „kulturelles Gedächtnis“ sagen kann!
Ruhender Pol
Bründl, der 51-jährige Chef des Geschehens, ist stets der ruhende Pol seines beachtlichen Quartetts. Es überzeugte jenseits aller Moden durch intensive Interaktionen und viel Spielfreude, was letztendlich lebendigen Jazz ausmacht. Lang anhaltender Applaus zum Auftakt des Freiburger Jazzfestivals.